Drakensberge

„Gibt’s da auch Berge?“ frage ich Romy, während sie in der Planungsphase des Urlaubs über die einzelnen Etappen der Reise sinniert. „Naja, im Prinzip schon, aber wohl nicht für uns. Die liegen ja mal so gar nicht auf dem Weg…“ bekomme ich als Antwort zurück. „Ich will doch aber Berge! Was ist denn bitte ein Urlaub ohne Berge? Maaaan….“.

Das habe ich nun davon, denn auf dem Weg von Saint Lucia nach Durban liegen die Drakensberge nun wirklich nicht. Es ist mehr so, als würde man auf dem direkten Weg von Hamburg nach Hannover noch Berlin besuchen wollen. Machbar, aber irgendwie blöd.

Wir haben aber Urlaub und wer weiß wann wir das nächste Mal nach Südafrika kommen und so nehmen wir den Umweg von insgesamt 600 Kilometern in Kauf und halten für einen Tag in den nördlichen Drakensbergen, unweit der Landesgrenze nach Lesotho, im Royal-Natal-Nationalpark einem der „spektakulärsten Natursehenswürdigkeiten in Afrika“ zumindest laut Wikipedia.

Dass wir zum Besuch dieses UNESCO Weltnatur- und Weltkulturerbes nicht die beste Zeit gewählt haben, bemerken wir schon auf der Hinfahrt, bei der es wie aus Eimern schüttet und die Sicht auf der glücklicherweise größtenteils mehrspurigen Autobahn alles andere als optimal ist. So hilft es nicht sonderlich, dass viele der vor uns fahrenden und uns entgegenkommenden Fahrzeuge es nicht für nötig halten das Licht einzuschalten, während wir uns das Vorhandensein einer Nebelschlussleuchte wünschen. Wenigstens einige Fahrer teilen unsere Sorge und schalten als Unterstützung zum Licht die Warnblinkanlage ein um verstärkt auf sich aufmerksam zu machen.

Dass der Regen in dem von uns gewählten Reisezeitraum keine Ausnahme sondern eher die Regel darstellt, hatten uns schon zwei Damen aus St. Lucia berichtet, die erst vor ein paar Tagen ihren Aufenthalt in den Bergen bestritten hatten. Sommer ist Regenzeit und somit keine gute Zeit mehrstündige Wanderungen in dem höchsten Gebirge des südlichen Afrikas zu unternehmen. Mit einem Tag Aufenthalt sind unsere Möglichkeiten zum Schieben irgendwelcher Touren auch nur sehr begrenzt, sodass wir hoffen das all der Regen heute seinen Weg zum Boden sucht und wir am morgigen Tag bessere Aussichten genießen dürfen.

Erste Hoffnungen bringt uns der Himmel, der, je weiter wir uns ins Inland kämpfen, seine Farbe von dunklem grau in ein schöneres weiß wechselt, um später ab und an sogar ein wenig blau und Sonnenstrahlen durchzulassen.

Die Fahrt geht vorbei an kleinen Dörfern, in zunehmend unglaublich schöner Landschaft, die uns noch einmal vor Augen führt, wie unterschiedlich die sozialen Verhältnisse in Südafrika doch sind. Nach dem voll nach europäischem Standard geführten Gästehaus in St. Lucia passieren wir nun Dörfer die ausschließlich aus Lehmhütten bestehen. Uns passieren Kindern auf Pferden und am Wegesrand stehen unzählig viele Leute, darauf wartend, dass sie endlich ein Minibustaxis, die einzig erschwingliche Art der Fortbewegung, aufsammelt und zum nächsten Ziel bringt.

Nach gut 600 Kilometern haben wir den Eingang zum Nationalpark erreicht, von dem sich ein schmaler Weg nach oben in die Berge zu unserem Camp windet. Hier schnappen wir uns unseren Schlüssel und beziehen unser kleines Haus mit Ausblick auf das Amphitheater, von dem im Moment noch nicht so recht viel zu sehen ist.

Das Amphitheater ist eigentlich das Highlight des Nationalparks und manifestiert sich in einer ein paar Kilometer langen und über 1000 Meter hohen Felswand, die sich bis auf rund 3100 Meter erstreckt. In der Regenzeit ist das Spektakel jedoch nur selten zu sehen, da die Berge in dieser Höhe in der meisten Zeit in Wolken gehüllt sind, sodass wir uns glücklich schätzen konnten, als für einen Moment der Regen seine Arbeit einstellte und die Sicht auf das Highlight freigab. Sehr schön anzusehen und während unseres Aufenthaltes der einzige Blick auf das Felsmassiv der uns gegönnt sein soll.

Der nächste Tag soll uns beweisen, dass der Royal Natal Nationalpark nicht nur vom Amphitheater lebt. Zwar ist die Felswand auch beim Thukela Gorge Walk das eigentliche Highlight, aber auch ohne können wir uns über die beeindruckende Landschaft alles andere als beschweren.

Der Weg führt uns vorbei über Wiesen immer am Rand der Berge entlang in eine Schlucht in der sich der Thukela River seinen Weg sucht. Der Walk ist nicht sonderlich schwierig, jedoch sind einige Flüsse zu überqueren, die uns letztlich auch daran hindern das Ende der Wanderung zu erreichen. War das Wasser bei vorherigen Überquerungen auf dem Weg bei einer einigermaßen überlegten Wegwahl nur knöchelhoch, stellte uns das letzte Stück vor die Herausforderung entweder mit einer durch die Regenzeit verursachten extrem starken Strömung zu kämpfen oder aber mit Tiefen die eher in Richtung Hüfthöhe reichten.

Wir versichern hiermit, dass wir alle möglichen Konstellationen zur Flussquerung geprüft und abgewägt haben. Aber nüschte! Ohne freimachen und das Gepäck auf den Kopf zu schnallen, hätten wir das andere Ende auf keinen Fall erreicht. Leider war unsere Motivation dann doch nicht so groß, da der Weg nach der Überquerung nur noch ein kurzes Stück weitergeht, bevor uns die offizielle Umkehr bevorgestanden hätte. So beschlossen wir es bei dem bis dahin Erreichtem zu belassen und den 7 Kilometer langen Rückweg anzutreten.

Obwohl wir uns eigentlich innerlich immer weigern „Rückwege“ anzutreten und unsere Wanderungen auch gern danach auswählen, dass es sich um einen Rundweg handelt, bemerken wir auf diesem Weg, dass es vielleicht an der Zeit ist, unsere Meinung zu revidieren. So erwischen wir uns des Öfteren selbst bei einem kurzen Stopp und der Frage „Sind wir hier wirklich langgekommen?“, so anders wirkt der Weg einfach aus der anderen Perspektive.

Um es nicht langweilig werden zu lassen, machen wir uns nach Ankunft im Camp direkt an unser kulinarisches Highlight in Form von Spaghetti und Pesto bevor wir uns schnell ins Bett schmeißen. Morgen heißt es nämlich gegen fünf in Richtung Durban aufzubrechen. Wir haben immerhin einen Flug zu kriegen…

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