Guelph & Georgian Bay

Gerade einmal eineinhalb Stunden trennen uns vom nächsten Ziel, sodass wir Niagara on the lake mit seinen freundlichen Gastgebern nach einem ausgedehnten Frühstück ganz entspannt verlassen. Das Baby winkt noch einmal ihrem liebgewonnenen Hundefreund hinterher und wir machen uns vorbei an Toronto auf nach Guelph.

Guelph

„Bitte, wie spricht man das aus?“ frage ich unseren Gastgeber, während wir eine kleine Hütte im Garten desselben beziehen. Ich bekomme es noch immer nicht so recht hin und auch bei Romy lässt sich eine gewisse Unsicherheit bei der Aussprache des Gastgeberortes erkennen.

Glücklicherweise ist die Aussprache unseres Unterkunftsortes zweitrangig, immerhin wollten wir ja eigentlich nach Kitchener, unweit von Guelph, was uns jedoch verwehrt blieb, da keine bezahlbare Unterkunft zu finden war und wir deshalb auf den beschaulichen Nachbarort auswichen.

Der eigentliche Grund für unseren Besuch in Kitchener sollte in der historischen Vergangenheit des Ortes sowie der Umgebung liegen. Immerhin handelt es sich bei dieser Gegend um das deutsche Siedlungsgebiet in Kanada schlechthin. So hieß Kitchener selbst bis zum ersten Weltkrieg noch New Berlin. Aufgrund der damaligen Auseinandersetzungen hielt man es jedoch nicht für ratsam an diesem Namen festzuhalten, sodass es zu einer Reihe Umbenennungen von Orten in der Gegend kam. Ein paar Überbleibsel gibt es dennoch. So finden sich auf der Karte noch New Hamburg, Baden, Rostock, Wartburg, Heidelberg und andere deutschstämmige Ortsbezeichnungen.

Neben einfachen Menschen auf der Suche nach ihrem Glück zog es, aufgrund heimischer Verfolgung, auch zahlreiche deutschstämmige Amischen bzw. konservative Mennoniten in die Gegend um Kitchener, wo sie noch bis heute, ihren Traditionen im Hinblick auf die Ablehnung von Fortschritt (Autos, Elektrizität, etc.) treu geblieben sind. Es verwundert somit nicht, wenn neben dem „Achtung Schneemobil“ auch ein „Achtung Pferdekutschen“ Schild den Blick auf der Straße kreuzt.

Bis vor einigen Jahren galt St. Jacobs, unweit von Kitchener, noch als die Zentrale für die Amischen in der Gegend, hauptsächlich wegen des zweimal wöchentlich stattfindenden Farmers Market der einen direkten Kontakt zwischen normaler Bevölkerung und den Mennoniten zulässt. Unglücklicherweise begann vor einigen Jahren eine gnadenlose Vermarktung der Amischen Kultur in St. Jacobs, sodass sich die Mennoniten immer weiter zurückziehen und seit einigen Jahren in andere Gebiete Kanadas umsiedeln. Waren früher noch Hofbesuche möglich, kann man sich heute in zahlreichen Boutiquen in St. Jacobs seiner Kauflust hingeben. Kein Wunder, dass die Kombination zwischen Tradition und Moderne nicht lange funktionieren konnte. Lediglich der Markt ist geblieben, der jedoch nur Donnerstag und Samstag stattfindet. Dumm für uns, fiel unser Besuch der Gegend doch auf einen Sonntag.

Statt des Marktes ging es für uns somit nach Kitchener und einem weiteren Highlight der Gegend, dem Walter Bean Grand River Trail, einem 78 Kilometer langen Wanderweg entlang des Grand Rivers, welcher sich auch in Teilabschnitten wandern und in Kombination mit anderen Trails auch zu einem Rundkurs, für uns von 8,5 km Länge, umbauen lässt.

In rund drei Stunden ging es mit unserem geländegängigen Kinderwagen auf den Homer Watson Loop Trail, dessen Highlight gar nicht der kurze Abschnitt des Walter Bean Grand River Trails, sondern in den zahlreichen innerstädtischen Community Trails lag, die sich teilweise sehr ansehnlich durch die Landschaft zogen. Da es für das Kind in den drei Stunden nur wenig Bewegungsspielraum gab, beendeten wir den Tag schließlich auf einer Wiese mit angeschlossenem Spielplatz sowie einigen unmittelbar vorher erworbenen Leckereien.

Georgian Bay

Da uns der Weg zum Algonquin Provincial Park in einem Rutsch zu weit war, beschlossen wir einen weiteren Zwischenstopp einzulegen, diesmal in Vicoria Harbour an der Georgian Bay mit seinen 30.000 Islands die sich um und in der Bucht verteilen. Mit zwei Tagen Zeit galt es von unserer wunderschönen, direkt an der Bucht gelegenen Unterkunft zwei Ziele anzusteuern.

Das erste sollte die Ausstellung „Sainte-Marie Among The Hurons“ sein, welche detailgetreu, sehr plastisch und eindrucksvoll einen Teil der kanadischen Siedlungsgeschichte in Form französischer Missionare sowie deren Interaktion mit den einheimischen Indianerstämmen erzählt. Zu diesem Zweck wurde in Kleinstarbeit mit originalen Materialien in zehnjähriger Arbeit (im Übrigen die Zeit, die die Originalvorlage gerade einmal existierte) das damalige Jesuitencamp wiederaufgebaut. Heute inklusive Darsteller die mal mehr, mal weniger enthusiastisch über die Geschichte der damaligen Zeit erzählen. Da wir scheinbar noch in der absoluten Nebenzeit unterwegs sind, hielt sich der Ansturm auf die Sehenswürdigkeit in Grenzen, sodass wir den Einführungsfilm im großen Kinosaal für uns alleine hatten und das Gelände mit nur wenigen weiteren Leuten teilen mussten.

Den zweiten Tag widmeten wir dem Nachbarort Midland sowie den dort abgelegenden Schiffen in Richtung der 30.000 Islands. Zeitiges Erscheinen war Pflicht, denn von allen Touranbietern fährt zu dieser Jahreszeit nur ein einziger alle zwei Tage auf den See hinaus und auch nur unter der Bedingung, dass sich mindestens 30 Personen zusammenfinden. Für uns hieß es somit nicht nur am Tag zuvor unser Interesse zu bekunden, sondern auch vor Ort am Tag der Tour nochmals unsere Bereitschaft zu versichern.

Zeit, die wir nutzten um den Ort näher zu erkunden sowie einer örtlichen Veranstaltung (deren Hintergrund wir ehrlich gesagt gar nicht hinterfragten) beizuwohnen, die uns mit kostenlosen Hotdogs und Getränken versorgte.

Trotz final nur 25 anwesenden Personen vor dem Dock, gab sich der Betreiber der Bootstour einen Ruck und fuhr mit uns hinaus aufs Wasser. Es erwarteten uns einige der durchaus realistischen 30.000 Inseln, von denen viele nur wenige Quadratmeter groß sind, was jedoch kein Grund ist, wenn irgend möglich ein Haus, eine Hütte oder sonstige Unterkunft drauf zu errichten.

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