Hazyview

Das Autofahren durch Johannesburg ist im Prinzip überhaupt nicht problematisch, insofern man weiß, wie man am besten zum Ziel gelangt. Oftmals ist es nämlich nicht der direkte Weg der zu empfehlen ist, sondern ein kleiner bis ordentlicher Umweg scheint sinnvoller, gibt es doch Stadtteile die es unbedingt zu meiden gilt und deren Durchfahrt auch vom Autovermieter mit Nachdruck nicht empfohlen wird.

Unser Weg raus aus der Stadt bescherte uns somit keine großen Eindrücke mehr, sondern nur einen direkten Weg auf die Autobahn um dann in Manier des Berliner Rings einmal eine große Runde um die Stadt zu drehen. Die Straße zeigt sich dabei, wie von uns heimlich erhofft, mehrspurig und ohne große Schlaglöcher. Kein Problem also für den Toyota Corolla, der für die kommenden Tage unser Begleiter ist.

Unglücklicherweise sollte unsere Freude über das hervorragende Straßennetz nur von kurzer Dauer sein, verengte sich die „Autobahn“ doch bereits nach einige Kilometer hinter der Stadt zu einer einspurigen, stark befahrenen Straße, deren darauf laufende Passanten in den heimischen Radios einen andauernden Strom von „Menschen auf der Fahrbahn“ Meldungen verursachen würden. Auch die Schlaglöcher sollten uns bald wieder einholen, sodass die hunderte von Kilometern von hinter LKWs hinterherschleichen, dem Ausweichen vor Schlaglöchern, dem Warnblinken und Lichthupen (Ritual zum Bedanken für das Ausweichen eines langsamen Fahrzeugs auf den Seitenstreifen, sodass halbwegs hinnehmbar, auch bei Gegenverkehr,  überholt werden kann) sowie dem Drangsalieren unseres akkuraten 1,3 Liter Autos beim Überholen gekennzeichnet waren.

Trotz eingeschränkter Fahrfreude erreichten wir nach fünf Stunden unser erstes Etappenziel ganz in der Nähe von Hazyview. Hier begrüßte uns nach einer 1,5 Kilometer langen Offroadstrecke zum Nachweis fahrerischen Könnens, Kurth der Besitzer eines recht beeindruckenden Anwesens inmitten ebenso beeindruckender Landschaft.

Das Anwesen sollte neben uns noch ein paar Hunde, Pferde, Affen, Flusspferde und eine Handvoll Gäste beherbergen, wenngleich wir von den beiden letztgenannten Tieren nichts zu Gesicht bekamen.

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Hazyview war ursprünglich nichts als eine Ansammlung größerer Shoppingzentren sowie ein Durchgangsort für Besucher des Krüger Nationalparks. Seitdem jedoch nur zehn Kilometer vom Ort ein neues Gate zum Park eröffnet hat, gibt es zunehmend mehr Unterkünfte die nicht nur Tagestouren zum Krüger Nationalpark anbieten, sondern sich auch hervorragend für einen kurzen Abstecher zum Bryce Canyon eignen.

Da wir ein paar Tage im Nationalpark selbst verbringen wollten,  konzentrierten wir uns bei unserem Besuch auf die nähere Erkundung des Bryce Canyons, der laut Aussage unserer Gastgeberin, der drittgrößte Canyon der Welt ist. Offizielle Quellen halten sich bezüglich der Aussage ein wenig zurück, da es anscheinend schwierig ist Canyons zu vergleichen. Dass es sich jedoch um einen durchaus großen Canyon handelt, können wir ohne weiteres bestätigen.

Der Startpunkt unserer Tour lag ungefähr 120 Kilometer nördlich von unserer Unterkunft entfernt und schlängelte sich dann kontinuierlich gen Süden, wobei es auf der Fahrt galt, diverse Aussichtspunkte mitzunehmen. Die nicht zu unterschlagende Beliebtheit der Route führt inzwischen dazu, dass die Aussichtspunkte fast allesamt mit einem Wärterhäuschen ausgestattet sind, dessen Mitarbeiter bei der Einfahrt zwischen fünf und fünfzig Rand (ca. 50 Cent und 5 Euro) verlangt. Vor Ort findet man dann meist einen Parkplatz, von dem ein kleiner Weg zur Hauptattraktion abgeht, sowie wenige bis vielen Stände Einheimischer, die versuchen „handgemachte“ Holzgegenstände an den Mann zu bringen. Dass das Konzept die lokalen Gemeinschaften mithilfe der Erlaubnis eigener Stände zu unterstützen sehr löblich ist, steht außer Frage, dass scheinbar jedoch niemand einmal über die Sinnhaftigkeit der dargebotenen Utensilien nachdenkt, verwundert dann doch. So war es uns zwar möglich an nahezu jedem Stand eine zwei Meter große Holzgiraffe käuflich zu erwerben (wie zur Hölle soll man die nach Hause bekommen?), ein kaltes Getränk, bei 35°C Außentemperatur, war hingegen an keinem einzigen Stand zu erhalten.

Nach einigen Aussichtspunkten wurden wir schließlich der Stopperei ein wenig überdrüssig, zudem es beim Bezahlen der Attraktion nie ganz klar war, wie hoch der Grad der Attraktivität des Naturwunderwerkes eigentlich ist. So war es uns nicht möglich einen irgendwie gearteten Zusammenhang zwischen Eintrittspreis und (sicherlich subjektiver) Schönheit des dargebotenen herzustellen.

Somit skipten wir einfach die letzten Wasserfälle des Weges und kehrten lieber in Graskop in „Harrie’s Pancakes“, einer Empfehlung unserer Gastgeber, ein, wo es endlich Wasser  und nicht zu Unrecht hochgelobte Pancakes als Nachmittagssnack gab.

Den restlichen Nachmittag verbrachten wir in Hazyview, im größten Einkaufzentrum der Gegend, immer noch auf der verzweifelten Suchen nach Ferngläsern, die uns bisher einfach nicht unterkommen wollten. Dass das Unterfangen auch hier nicht einfach werden würde, war uns spätestens ab dem Moment klar, als uns ein Besitzer eines Dies & Das Ladens mit dem Worten „I have everything you are looking for!“ zu ködern versuchte, dann jedoch an Romy und ihrer überschwänglichen Reaktion und dem Wort „Binoculars“ scheiterte, mit dem er auch nach Erklärung der Funktionsweise eines Fernglases nichts so recht anzufangen wusste.

Schon fast vollständig damit abgefunden, dass wir wohl ohne Ferngläser unsere Weiterreise antreten müssten, wurden wir dann tatsächlich doch noch im hintersten Winkel des Zentrums bei einer Art Pfandleiher fündig. Wenngleich niemand Englisch zu verstehen schien, wurde unseren freudigen Gesten in Richtung Ferngläser gefolgt und uns geduldig ein Modell nach dem Anderen aus dem Schrank zu Begutachtung überlassen. Ergebnis unserer Jagd waren zwei nigelnagelneue Ferngläser mit denen wir beruhigt unsere Weiterreise antreten konnten.

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