Jasper & Clearwater

Nachdem wir die letzten Tage hauptsächlich im Auto zugebracht haben, ist es an der Zeit wieder einmal Station zu beziehen. Und so lassen wir uns für drei volle Tage in Jasper, dem anderen großen Nationalpark neben dem Banff Nationalpark nieder, bevor wir langsam die Rocky Moutains verlassen und uns nach Clearwater aufmachen.

Jasper

Jasper, der recht beschauliche Hauptort im gleichnamigen Nationalpark, hat in etwa 5000 Einwohner sowie unzählige Besucher die in den zahlreichen Unterkünften oder Campgrounds unterkommen. So zahlreich, dass wir es uns nicht gelingt für alle vier Nächte denselben Stellplatz zu bekommen, sondern wir müssen nach der ersten und dritten Nacht unseren Stellplatz wechseln. Mit einem Camper glücklicherweise kein Problem, zumal wir die Tage auch nicht auf dem Campground sondern im Park verbringen wollen.

Der Morgen begrüßt uns freundlich mit einer Elkmama und Ihren Kindern vor dem Camper und da sich das Wetter in den kommenden Tagen zunehmend verschlechtern soll, beschließen wir am ersten Tag einmal mehr die Berge zu erklimmen, wobei wir für die Überbrückung der meisten Höhenmeter wieder auf die Gondel einer Seilbahn zurückgreifen, die uns in wenigen Minuten auf den Whistler Mountain bringt, von dem ein recht kurzer, dafür steiler Trail zum Gipfel führt. Mit dem Baby auf meinem Bauch und dem Rucksack auf Romys Rücken machen wir uns auf, die fehlenden 150 Höhenmeter zum Gipfel zu überwinden.

Hier werden die Touristenströme weniger und die Aussicht ist grandios. Ab und an begrüßt uns ein Murmeltier und auch ein Gewitter in der Ferne lässt es sich nicht nehmen, für uns eine wunderschöne Kulisse zu zaubern.

Den nächsten Tag beschließen wir ein Highlight aus dem Reiseführer anzusteuern. Besucht werden sollen zwei Seen (Patricia Lake und Pyramid Lake), die sich auf dem Papier sehr interessant anhören. Vor Ort entpuppt sich bereits der Patricia Lake als wenig bewundernswert und auch der eigentlich geplante Trail um den See führt teilweise auf der Straße entlang, sodass wir unseren Tagesplan verwerfen und wir uns nach einer Alternative umschauen.

Unsere Alternative ist der Lake Annette, ebenfalls ein See, der jedoch aus unserer Sicht freundlicher gelegen ist und uns die Möglichkeit bietet, das schlafende Kind in ihren Buggy zu setzen und so dennoch eine kleine Runde laufen zu können. Für das Baby definitiv die bessere Lösung, befindet sich direkt neben unserem Parkplatz ein Spielplatz auf dem das Kind noch ein wenig mit einem holländischem Kind socialisen darf.

Unseren letzten Tag widmen wir einer kleinen Tour zum Maligne Lake. Die Strecke zu den Sehenswürdigkeiten ist recht lang, bietet jedoch wohl recht gute Chancen auf die Sichtung allerlei Getiers.

Bevor wir jedoch den Maligne Lake erreichen, stoppen wir noch einmal am Maligne Canyon, einem kleinem Canyon der sich gut mit einigen Walks verbinden lässt, sodass wir mit Baby und Rucksack über mehrere Brücken das bis zu 50 Meter tiefe Wasser, tosend unter uns beobachten können. Am Ende des Weges wird der Fluss wieder ruhiger und wir treten den Rückweg an. Wir entscheiden uns für eine Alternativroute durch den Wald, die uns, lautstark bärenvertreibend unterhaltend, erst steil bergauf führt, uns dann aber mit schönen Aussichten auf die umliegenden Berge belohnt.

Von der Canyon Tour machen wir uns mit kleinen Fotostopps weiter auf in Richtung des Sees. Vor Ort kommen einmal mehr die Vorzüge unsers Campers zum Tragen, können wir doch entspannt ein Picknick einlegen, immerhin haben wir ja alles dabei. Während wir gemütlich essen, macht sich das Baby im Alleingang auf die Gegend zu erkunden, ohne uns das Gefühl zu vermitteln uns wirklich zu vermissen. Wir nutzen die Gelegenheit um zu testen, wie weit das Urvertrauen reicht und verstecken uns hinter Bäumen, immer mit einem Auge auf das Kind. Dieses scheint vom Verlust der Eltern jedoch recht unbeeindruckt und flirtet lieber mit den Spaziergängern die ab und an ihren Weg kreuzen und recht amüsiert über das einsame Baby auf dem Wanderweg sind.

Irgendwann ist unsere Geduld am Ende und wir sind genügend gekränkt, sodass wir mit dem Baby unter dem Arm zu Fuß in Richtung See aufbrechen. Dieser liegt malerisch gelegen, umrahmt von den Gipfeln der Rockys. Von hier aus starten Bootstouren zu den Inseln des Sees, eine Erfahrung auf die wir gerne verzichten. Auch die Vorstellung eine weitere Wanderung zu machen, überzeugt nicht wirklich, sodass wir den Weg zurück nach Jasper in Angriff nehmen.

Die Straße fahren wir relativ gemächlich entlang, immerhin warten wir noch immer auf unsere Bärensichtung. Ab und an ertönt daher im Fahrerhaus ein kurzes „Ooohhhh… Ach nee doch nicht“. Nur einmal scheint Romy so sehr von Ihrer Sichtung überzeugt, dass wir eine ordentliche Bremsung hinlegen. Leider entpuppt sich der vermeintliche Bär nur als große Wurzel eines umgefallenen Baumes, sodass wir nun zwar ohne Bär Erlebnis, dafür mit drei Schüsseln weniger, den Weg fortsetzen.

Glücklicherweise benötigen wir für unser Abendmahl keine Schüsseln, denn wir wollen auf eine kanadische Spezialität in Form eines Lachses, der auf einem Holzbrett gegrillt wird, zurückgreifen. Leider gibt die Verpackung wenig Aufschluss über die richtige Verwendung von Holz, Grill und Lachs, sodass nach kurzer Zeit ein lichterloh brennendes Stück Holz, garniert mit einer ordentlichen Portion Lachs unseren Grill ziert. Eine kurze Löschaktion und der Lachs landet ohne Holz wieder auf dem Grill. Extrem lecker aber noch Platz für Verbesserungen.

Clearwater

Nach drei Tagen heißt es Abschied nehmen von Jasper und den großen Nationalparks und wir machen uns weiter auf in Richtung Clearwater, ungefähr 320 Kilometer von uns entfernt.

Enttäuscht von unseren bisherigen Wildsichtungen scheint man es gut mit uns zu meinen und wir werden noch mit einem Bären aus dem Nationalpark verabschiedet, den wir mit einer ganzen Schar Autos am Wegesrand teilen. Schön zu sehen hierbei, die Kollegen die aus ihrem Auto aussteigen um dem Erlebnis so nahe wie möglich beiwohnen zu können. Nachdem wir jedoch gesehen haben, wie ein Bär den Kopf eines Elches im Maul mal eben durch die Luft schleudert, bleiben wir lieber auf unseren Plätzen sitzen.

Die Fahrt nach Clearwater ist primär gekennzeichnet durch die ordentlichen Mengen an Wasser die ihren Weg aus den Wolken auf die Straße und unser Auto suchen und finden. Kein Wunder somit das unsere Lust auf Zwischenstopps, unter anderem am in Wolken gehüllten Mount Robson, dem mit 3954 Metern, höchsten Berg der Rockys, nur bedingt vorhanden ist, sodass wir recht zügig durchfahren.

Clearwater ist nur ein kleines Örtchen, jedoch der einzige Zugang zum Wells Gray Provincial Park. Der Campingplatz ist direkt am Wasser gelegen und auch das Wetter wieder auf unserer Seite, sodass wir uns für zwei Tage niederlassen.

Die Tage verbringen wir mit zwei Ausflügen zum Wells Gray Provincial Park wobei wir es insbesondere auf die Helmcken Falls und die Dawson Falls abgesehen haben. Zu den Helmcken Falls führt ein insgesamt 8 Kilometer langer, moskitoverseuchter und regnerischer Trail, der am Ende des Weges einen spektakulären Blick auf den Wasserfall bietet. Nichts für Leute mit Höhenangst, steht man selbst nur auf Felsklippen, die über den Rand des Abgrundes ragen.

Als Belohnung für die Strapazen im Park werden wir gleich mehrfach entlohnt. So sehen wir wieder ein paar Bären, diesmal sogar mit Jungen, die am Wegesrand umherdümpeln.

Die restliche Zeit vor Ort genießen wir das Wasser im See, schlagen uns die Bäuche voll, besuchen den heimischen Farmers Market und unterhalten uns ein wenig mit zwei Münchenern mit ihrer bezaubernden Tilda, die sich vier Monate für ihren Camper Tripp durch die USA und Kanada genommen haben.

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