Johannesburg

Sonntag 03.15 Uhr, der Wecker klingelt. Herrlich, genau unsere Zeit um aufzustehen, uns in Schale zu schmeißen und das Taxi in Richtung Tegel zu besteigen.  Akkurate 20 Stunden später steigen wir aus einem etwas anderen Taxi wieder aus und legen uns zu Ruhe. Selten so viel Spaß an einem Tag gehabt. Ja, wieder so ein First-World-Problem, aber ein Tagesflug im Flieger ist alles andere als lustig, insbesondere, wenn der freundliche Herr nebenan in unserer Reihe, aufgrund seiner nicht gerade geringen Größe und Fülle, alles andere als begeistert ist und das Unterhaltungsprogram an Board auch nicht zu überzeugen vermag.

Kurz vor Mitternacht am Ziel, sehen wir von Johannesburg lediglich einen Hintergarten sowie ein Gästehaus, in dem schon ungeduldig auf uns gewartet wird. Ausnahmsweise  sind nicht wir Schuld an der Verspätung, sondern das Paar mit dem wir uns die Fahrt zur Unterkunft aus Kostengründen teilten. So fand ihr Gepäck von London nach Amsterdam einfach nicht den Weg in den finalen Flieger, sodass die beiden Briten nun zwar weniger Gepäck zu schleppen hatten, dafür jedoch auch ohne Zahnbürste ihre ersten Tage in Johannesburg verbringen mussten.

Da wir mit all unseren Habseligkeiten ausgestattet waren, gingen wir den Tag recht entspannt an. Frühstücken, ein Plausch mit der Besitzerin der Unterkunft und ein paar Tipps, was wir denn am besten tun könnten an dem einen Tag, den wir in der Stadt verbringen. Das Apartheidmuseum sei wohl der Hit und unbedingt eine Reise wert. Wie wir schnell feststellen mussten leider nicht am Montag, denn da ist zu.

Zur weiteren Wahl stand das erste Frauengefängnis Südafrikas oder ein Bummel durch die Gegend. Da mich, ganz bestimmt zu Unrecht, die Geschichte der Frauengefängnisse in Südafrika leider nur gaanz am Rande zu interessieren vermag, beschlossen wir es weiter ruhig angehen zu lassen.

Melville, der Stadtteil / Vorort / wie auch immer unserer Wahl, wird im Reiseführer folgendermaßen beschrieben: „[…] Geschäfte und Cafés […] säumen die Straßen und sorgen für erfrischende Lebendigkeit. [Hier] gibt es Geschäfte sowie Restaurants, Bars und Clubs für jeden Geschmack. “. Des Weiteren wird Melville als der „[…] entspannteste und reizvollste der nördlichen Bezirke.“ beschrieben, sodass die Suche nach einer passenden Gegend damals bei der Wahl einer Unterkunft für uns ein schnelles Ende hatte.

Mit genug Zeit im Gepäck machen wir uns auf, dieses Juwel Johannesburgs näher zu erkunden. Insbesondere die 7th. Street stellt wohl das Highlight dar. Hervorragend, dass wir von dieser Prachtmeile nur eine Kreuzung entfernt untergekommen sind.

Um die Ecke gebogen, schauen wir in eine sehr leere, irgendwie verloren wirkende Straße mit vielen geschlossenen Geschäften und vielleicht zwei, drei Restaurants die von einer Handvoll Leuten bevölkert werden. Gerade ist es auch erst Mittagszeit und außerdem Montag, somit ist es vielleicht klar, warum der Bär das Steppen noch nicht begonnen hat. Kein Problem, stehen uns doch noch hunderte von Geschäften offen, die uns breit angekündigt wurden.

Wir entschließen uns, die Straße entlang zu schlendern, stellen aber nach gut 50 Metern fest, dass wir scheinbar bereits das Ende erreicht haben. Mit der Gewissheit wohl  eher am Ender der 7th Street untergekommen zu sein, machen wir uns auf in die andere Richtung, nicht ohne abermals feststellen zu müssen, dass nun nach 150 Metern die Straße in einer Sackgasse endet. Die doch überraschend kurze Straße bot dann leider auch nicht so sehr viel. Erst gegen Abend kamen einige Straßenhändler hervor und die vier, fünf Restaurants füllten sich allmählich. Für eine außerordentliche Lebendigkeit sowie Restaurants, Geschäfte und Bars für jeden Geschmack fehlte es allerdings an allen Ecken und Enden.

Für alle Johannesburgreisenden bleibt uns nur übrig, die Daumen zu drücken, dass der Autor des Reiseführers auf eine irgendwie geartete Weise von der Lobpreisung dieses Stadtbezirks profitiert und ihn daher so herausstellt. Sollte dem nicht so sein, dann sind wir froh, der Stadt lediglich einen Tag unsere Aufmerksamkeit geschenkt zu haben.

Das Highlight Melvilles bereits erkundet, machen wir uns zurück in unsere Unterkunft um die weitere Streckenplanung durchzugehen. Dabei fällt mir abermals der Reiseführer in die Hand, der uns mit den wichtigsten Tipps zur Tierbeobachtung im Krüger Nationalpark zu versorgen versucht. „Unerlässlich zum Absuchen des Horizonts: Ferngläser“. Sch#%/!!!! Super, erst noch vom Weihnachtsmann ein zusätzliches Paar bringen lassen und nun das Gerät komplett zu Hause liegen lassen.

Eine Diskussion über die Sinnhaftigkeit einer „Was auf eine Reise alles mit muss“-Liste bringt uns nicht weiter, sodass wir den restlichen Tag damit verbringen in einem zu Fuß ca. 20 Minuten entfernten Einkaufzentrum nach Ferngläsern Ausschau zu halten, was selbstverständlich nicht erfolgreich endet.

Dafür sehen wir unseren ersten Supermarkt von innen (das erste Land ohne Nutella?) und bemerken, dass die Südafrikaner scheinbar nie auf kariertem Papier schreiben, zumindest waren wir nicht in der Lage im Schreibwarenladen welches zu bekommen (wohl eher ein Volk der Dichter & Denker und weniger der Mathematiker…).

Nach unserem doch eher mauen Johannesburgerlebnissen fiel der Abschied nicht schwer, sodass wir uns von unserem freundlichen Fahrer Levy, nach einem leckeren Frühstück am nächsten Morgen direkt zur Mietwagenstation bringen ließen.

Hier klappte ebenfalls rein gar nichts. So stimmten die Daten im Hertz eigenen Reservierungssystem nicht einmal Ansatzweise mit denen von uns vorgebuchten Daten aus Deutschland überein, sodass eine sehr amüsante Odyssee durch die verschiedenen Länder des Automaklers Auto-Europe aus Deutschland begann. Die Kollegen aus Deutschland nicht erreichbar, Irland, Frankreich und die Niederlande ebenfalls nicht zielführend, schafften wir es erst durch einen großartigen Kniff unseres südafrikanischen Gegenübers über die USA eine Weiterleitung nach Deutschland zum zuständigen Mitarbeiter zu bekommen. Dieser bestätigte unsere Ansichten, sodass der Anmietung nichts mehr im Wege stehen sollte. Leider sollte dies nur zum Teil zutreffen, da die freundliche Dame am Schalter aufgrund des natürlich nicht vorbereiteten Wagens (nicht gereinigt, vom Vorbesitzer gerade abgestellt, uns egal) sich nicht davon abbringen ließ, dass Auto wenigstens von außen zu waschen, da nur so alle Kratzer auch ordentlich sichtbar werden würden.

Nur zweieinhalb Stunden später waren wir endlich auf der Straße, nur noch 420 Kilometer vor uns.

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