Krüger Nationalpark

Nach unserem kurzen Abstecher in Hazyview hieß es weiterzuziehen und endlich einen Programmpunkt anzugehen, der maßgeblich mitentscheidend für die Länderwahl war. So bescherte uns der Dschungel in Costa Rica und auf Borneo zwar schon Affen, Faultiere, Tapire, Krokodile und vieles mehr und auch Australien und Neuseeland geizten nicht gerade mit Tieren wie Kängurus, Koalas, Delphine, Walen, Pinguinen, Seelöwen, etc., was uns jedoch noch absolut auf unserer Liste fehlten, waren die großen Landsäugetiere, die es in Südafrika ja angeblich geben soll.

Wer nun glaubt, dass einem hier ein Elefant einfach so auf der Straße begegnet, wird vermutlich bitter enttäuscht werden. So gibt es zwar auch in der offenen Landschaft durchaus noch Großwild, jedoch sind diese zuletzt aufgrund der immer noch vorhandenen Wilderei soweit dezimiert, dass eine erfolgreiche Sichtung alles andere als Wahrscheinlich ist. Wer somit nicht vollends enttäuscht wieder den Weg nach Hause antreten möchte, sollte einen Besuch in eines der zahlreich vorhandenen Wildreservate einplanen.

Neben einigen kleineren Wildreservaten, die bzgl. der Menge an Tieren mit den Großen mithalten können, fiel unsere Wahl auf den Krüger Nationalpark,  den wohl bekanntesten im Land. Mit rund 20.000 Quadratkilometern Fläche annähernd so groß wie Rheinland Pfalz oder Sachsen Anhalt, hieß es eine geeignete Ausgangsbasis für unsere zwei Tage vor Ort zu finden. Zur Verfügung stehen dabei unzählige Camps die entweder staatlich organisiert von der Parkverwaltung, oder aber privat durch entsprechende Lizenznehmer zur Verfügung gestellt werden. Da letztere ein gefühltes Vermögen kosten, ging es für uns ins Satara Camp, ziemlich mittig gelegen und nicht allzu weit nördlich, ist unser Plan doch, den Park wieder gen Süden zu verlassen. Und bei einer maximal Geschwindigkeit von 50 km/h im auf alle geteerten Straßen und einer Nord-Süd Ausdehnung von 350 Kilometern, kann dies zu einem ziemlich zeitintensiven Unterfangen werden.

Noch in Johannesburg war nicht ganz klar, ob der Ausflug zum Nationalpark überhaupt gelingt. So gab es dort noch während unserer ersten Tage im Land extreme Überschwemmungen durch anhaltenden Regen, der es notwendig machte einige in Camps eingeschlossene Besucher mit dem Hubschrauber zu retten. Während unserer ersten Tage ließ der Regen so schnell nach wie er gekommen war und ein Großteil der Parks stand für die Besucherströme wieder zur Verfügung. Zwar war das eigentliche Eingangstor das wir zum Befahren des Parks benutzen wollten nicht  geöffnet und auch ein Großteil der ungeteerten Straßen stand nicht zur Verfügung, aber in Anbetracht, dass es uns an Zeit nun wirklich nicht mangelt und unser Auto in der Kategorie „Offroad“ bei jedem Test wohl die schlechtesten Noten abräumen würde, kein Grund zur Sorge.

Die Fahrt in unser Camp begann unweit von Hazyview am Phabeni Gate, wobei es galt eine Strecke  von ca. 130 Kilometern zu bewältigen. Mit den Geschwindigkeitsvorgaben im Park eine lockere Fahrt von drei Stunden, ja wären da nicht diese Tiere…

Ursprünglich dachten wir uns das mit dem Park ja so: Wir fahren dort stundenlang durch die Gegend und sehen mit ganz viel Glück mal eine Antilope oder so. Warum um alles in der Welt sollten die Tiere denn bitteschön nun genau an der Straße stehen, an der alle fünf Minuten so ein laut brummendes Ungetüm vorbei zieht. Im Grunde läuft es also darauf hinaus, eine der geführten „Safaris“  mitzumachen, die schon vor dem Öffnen der Gates beginnen bzw. erst nach Schließung wieder aufhören. Dann ist schließlich weniger los und außerdem weiß der Guide auch ganz genau wo sich seine Pappenheimer rumtreiben und muss nicht wie wir Doofen irre in der Gegend rumstarren.

Keine fünf Minuten im Park hieß es „Stooop!“,  Rückwärtsgang. Ach gucke, Impalas. Na, das ging ja fix, dann wäre das mit der Antilope ja geklärt. Kurz dem bunten Treiben beigewohnt, heißt es nach fünf Minuten erneut „Stooop!“, Rückwärtsgang. Ui, ein Nashorn. Was haben wir für ein unheimliches Glück. Erneut Pause, gucken, weiter, „Stooop!“, Rückwärtsgang. Giraffe. Man kann sich vorstellen wie das Spiel weitergeht. Es folgten noch (in der Regel mehrfach) Kudu, Elefant, Zebra, Warzenschwein, Affen usw. usf. Unsere geplanten drei Stunden summieren sich dank der zahlreichen Tiere am Wegesrand auf akkurate sechs Stunden, sodass wir ein wenig später als erwartet im Satara Camp ankommen.

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Das Camp gehört zu den größeren im Nationalpark, gibt einem jedoch nicht unbedingt das Gefühl massentouristisch unterwegs zu sein. Liegt vielleicht auch daran, dass die von uns bezogene Hütte am Rand liegt und Richtung Zaun blickt, was uns zwar keinen unverhofften Tiersegen, dafür aber ein wenig Ruhe und Abgeschiedenheit beschert. Die Hütte selbst hat eine Außenküche inklusive Kühlschrank, welcher zum Schutz vor Affen selbst noch einmal mit einer verschließbaren Stahltür gesichert ist. Das dies durchaus sinnvoll erscheint, demonstrieren unsere Nachbarn, die die Affenhinweise weniger ernst nehmen und sich nun während ihrer Abwesenheit über ein paar Lebensmittel weniger freuen dürfen.

Der Innenraum der Hütte besteht aus zwei getrennten Betten, die wir erst einmal näher zusammen schieben, sowie einem kleinen Bad mit Dusche. Insgesamt hat das Camp schon bessere Zeiten gesehen, so röhrt die durchaus sinnvolle Klimaanalage bei gefühlt hundert Dezibel und auch die Moskitonetze vor den Fenstern weisen teilweise solche Lochgröße auf, dass ein Verzicht evtl. von dem rostigen Gitter ablenken würde, in dem Sie eingespannt wurden bzw. einst waren. Beim Betreten der Unterkunft liegt ein streng süßlicher Geruch in der Luft, der mich sofort nach Bedbugs suchen lässt. Bis auf ein paar Kakerlaken wird jedoch nichts Verdächtiges gefunden. Dass die Nacht schließlich für mich doch unangenehm wird, liegt weniger an den vermuteten noch gesichteten Tieren, sondern an Ameisen die beständig, meist in toter Form (keine Ahnung was da los ist) auf Kopfhöhe in mein Bett rieseln. Leider gesellt sich zu den toten Tieren in regelmäßigen Abständen auch ein lebendes Tier, sodass die Nachtruhe durch Bisse der kleinen Biester an diversen Stellen unterbrochen wird. Nun wird uns klar, warum ein so großer Abstand zwischen den Betten herrschte, den wir umgehend am nächsten Morgen wieder herstellen, sodass die nächsten Nächte ruhiger verliefen.

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Obwohl wir tiertechnisch bisher eigentlich ganz gut unterwegs sind, entschließen wir uns dennoch an zwei Touren teilzunehmen, die bereits vor den offiziellen Gate Öffnungszeiten starten bzw. wieder enden, sodass wir uns eine hohe Sichtungsquote erhoffen und ein wenig mehr Entspannung, da gucken und fahren in Kombination nur etwas für ganz ausgebuffte Fahrer ist. Uns nervt es eher.

Pünktlich um 03.45Uhr in der Früh (!!) stehen wir mit fünf anderen Leuten, noch nicht ganz ausgeschlafen, am vereinbarten Treffpunkt, an dem der Guide bereits auf uns wartet. Das Ziel des Tages ist klar, es lautet „Cats“ und wird von allen Gruppenmitgliedern einstimmig bestätigt.

Keine zehn Meter hinter den Toren des Camps, zack, eine Katze. Spot an und taadaa: Für einen Löwen n bissel klein und auch für einen Leoparden reicht’s nicht so recht… Nein, unser Fund passt mehr in die Kategorie „Katze“, Hauskatze. Wenngleich unser Guide sich rauszureden versucht, dass das von uns gesichtete Tier zwar unheimliche Ähnlichkeit mit einer Hauskatze aufweise, aber definitiv keine sei, hatten es sich alle Anwesenden mit den „Cats“ ein wenig anders vorgestellt.

100 Meter weiter wieder ein Fund: Ein Hase. Ach nee, ist klar: „Sieht aus wie ein Hase, sei aber definitiv keiner…“. Wenn das so weiter geht, bieten Romy und ich nach unserer Wiederkehr geführte Safaris durch das Brandenburger Umland an!

Glücklicherweise sollte es im weiteren Verlauf nicht nur bei der Nicht-Katze und dem Nicht-Hasen bleiben, wenngleich sich weitere Katzen tatsächlich nicht blicken lassen wollten. Dafür gab es pittoreske Anblicke der sich in der Morgendämmerung färbenden Savanne mit ihren Tieren sowie die Premiere von Hyäne und Flusspferd.

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Nach unserer Rückkehr drei Stunden später wurde der verlorene Schlaf nachgeholt, bevor wir uns am späten Nachmittag noch einmal auf eigene Faust auf den Weg nach draußen machten. Neben dem Altbekannten machten wir leider keine neue Entdeckung, sodass wir die von uns geplante Morgentour am nächsten Tag lieber gegen Ausschlafen eintauschten und uns ganz auf die noch ausstehende Abendsafari, wieder mit Guide, verließen.

Gegen sechzehn Uhr standen wir diesmal nur zu viert, dafür mit demselben Guide, am vereinbarten Treffpunkt. Ziel bzw. Wunschtiere bei uns immer noch Katzen und für unsere Mitreisenden aus Österreich Nashörner. City, unser Guide, machte sich extrem motiviert an die Arbeit und unterließ es nicht, jedes entgegenkommende Fahrzeug zu stoppen und nach Sichtungen zu fragen. Keine dreißig Minuten später konnte er sich das Grinsen nicht verkneifen, als wir vor einem kleinen Löwenrudel voller Junggesellen stoppten, die träge unter einem Baum dösten.

Wir glücklich, galt es nun auch noch die beiden Österreicher zu befriedigen und uns auf die Suche nach einem Nashorn zu machen. City, der wirklich so heißt, war dabei so angespornt, dass er die gesamte Tour um eine Stunde (drei waren geplant) überzog und die Motivation eher bei den Gästen, als bei ihm nachließ. Wie es kommen musste, fanden wir selbstverständlich keines der avisierten Tiere. Dafür aber neben vielem bereits Bekannten noch ein Stachelschwein, einen Mungo, einen Honigdachs sowie junge kämpfende Elefanten, bei denen es dem Guide gelang kurz unseren Adrenalinspiegel nach oben zu fahren, in dem er die jungen Bullen mit dem Aufheulen des Motors reizte, das Ganze jedoch mit der scheinbaren Gewissheit, dass die Elefanten außer Drohgebärden sich auf keine weiteren Ärger einlassen würden.

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Unser letzter Tag überraschte uns erneut selbst, schafften wir es doch tatsächlich uns um fünf aus dem Bett zu bewegen, um noch vor um sechs auf der Straße zu sein und den langen Weg nach Süden aus dem Park anzutreten. Die Strecke sollte abermals rund 150 Kilometer betragen, sodass wir mit in die Ferne starren gut sechs Stunden einplanten.

Der Weg zurück präsentierte sich dabei noch einmal als ein Stelldichein der ganzen Tiere, die wir bereits die Tage zuvor erspähen durften, hatte was von einer Abschiedsparade. Zwar konnten keine neue Funde mehr verzeichnet werden, aber ein kopulierendes Löwenpärchen auf der Straße sieht man nicht alle Tage und war unser persönliches Highlight.

Zufrieden mit unserem ersten Safarierlebnis verließen wir den Park, wenngleich wir auch gegen einen Wasserbüffel, Leoparden oder ein paar mehr Flusspferde nichts einzuwenden gehabt hätten. Für uns hieß es nun erst einmal das Gaspedal ein wenig tiefer durchtreten um auch noch die letzten 180 Kilometer runterzureißen um endlich im Swasiland anzukommen.

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Ein Kommentar zu “Krüger Nationalpark

  1. vkroe

    Hallo, Ihr Lieben,

    toller Bericht, tolle Fotos – weiterhin optimale Urlaubserlebnisse und außer Kakerlaken keine Gefährdungen wünschen

    V.+K.R.

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