Milford Sound

Neben dem Milford Track ist der Milford Sound, ein gut zugänglicher Fjord, eine der Hauptattraktionen im Südwesten Neuseelands. So scheuen sich die Touranbieter nicht die zahlende Kundschaft aus Queenstown ab sieben Uhr morgens mehrere hundert Kilometer in den Milford Sound zu karren, damit diese dort während einer circa zweistündigen Bootstour die Fjordlandschaft bewundern können, um anschließend den Rückweg anzutreten und zwölf Stunden nach Abfahrt wieder in der Ausgangsbasis anzukommen.

Wenn jemand so viel Mühe und Zeit auf sich nimmt, muss der zu besichtigende Fjord ja wirklich eine Wahnsinnsattraktion darstellen. Grund genug für uns den Tag nach der Wanderung für eine ausgiebige Erkundung des Milford Sounds zu nutzen.

Bevor man den Milford Sound überhaupt erreichen kann, gilt es eine ca. 120 km lange Sackgasse ab Te Anau, dem mehr oder minder letzten Ort vor dem Milford Sound, zu absolvieren. Die sogenannte Milford Road ist dabei wirklich ein Highlight. So schlängelt sich die Straße ab Te Anau erst durch satte, grüne Wiesen bis man schließlich, umgeben von einer wirklich ansehnlichen Berglandschaft umschlossen, in das Tal Richtung Milford Sound einfährt. Nach wiederum einigen Kilometern sieht man dem Ende des Tales entgegen und schlängelt sich langsam einigen Höhenmetern entgegen.

Unterbrochen wird die fröhliche Reise anschließend von einer Ampel auf 945 Metern Höhe, die die Fahrt durch den nun vor einem liegenden Homer Tunnel zu regeln versucht. Der 1954 eröffnete und ca. 1300 Meter lange Tunnel wirkt dabei irgendwie relativ provisorisch in den Berg gehauen und würde deutschen Behörden und Autoverbänden wohl die Nackenhaare aufrecht stehen lassen. So ist der Tunnel lediglich einspurig ausgerichtet (wenngleich eine Ampel zumindest am Tage versucht die Verkehrsströme zu regeln),  verfügt über keinerlei Notausgänge und tropft so stark von der Decke, dass während der Fahrt der gelegentliche Einsatz der Scheibenwischer obligatorisch ist.

Hinter dem Tunnel geht es fortan in Serpentinen in wunderschöner Berglandschaft dem Milford Sound entgegen, welcher irgendwann, wieder auf Meereshöhe angelangt, vor einem liegt.

Damit einem auf der 120 Kilometer langen Strecke von Te Anau in den Milford Sound nicht langweilig wird, gibt es neben einigen Lookouts, mit Blick auf die spannende Landschaft, auch noch einige ausgeschilderte Seitenabstecher, welche die Fahrerei in regelmäßigen Abständen zu unterbrechen versuchen. Je nach Lust, Laune und Zeit kann man von der Straße somit kleinere Wanderungen absolvieren, Regenwald, Wasserfälle, Seen und Flüsse bestaunen oder aber historische Plätze besuchen. Wir beschränkten unsere Abstecher lediglich auf die nahe liegenden Sachen. Zum Einem steckten uns die letzten drei Tage noch ein wenig in den Knochen, zum anderen ist der Milford Sound eine der zahlreichen Brutstätten der Sandflys in Neuseeland.

Die kleinen Fliegen ähnelnden blutsaugenden Tiere sind immer dann sofort zur Stelle, wenn gerade kein Wind herrscht und man selbst für einen Moment inne hält. Zu hunderten wimmeln Sie dann um einen herum um an unbedeckter Haut Blut zu saugen und wirklich nervige Stiche zu hinterlassen.

Laut den Maori wurden die Sandflys von einem Gott herbeigesandt, der es Leid war, dass die Menschen in Neuseeland nach Schaffung der wunderschönen Landschaft sich nur noch an dieser ergötzten, statt ihre Energie sinnvoll in Arbeit zu investieren. Mit den Sandflys hatte der Spaß dann schließlich ein Ende und die Leute mussten zusehends in Bewegung bleiben um nicht gestochen zu werden. Ein wunderbares Beispiel für die maßgeschneiderte Lösung eines Problems ; )

Neben den Sandflys gibt es eine weitere, leider ebenfalls nervige, Tierart auf dem Weg in den Milford Sound zu entdecken. Wenngleich die Keas zu den bedrohten Tierarten zählen und an sich wirklich nett anzusehen sind, führt die Fütterung der Tiere durch die vielen Besucher zu wirklich anstrengenden Verhaltensweisen.

Haben die Bergpapageien erst einmal die Scheu vor dem Menschen verloren, geht es zahlreich auf die Autodächer der Reisenden, auf denen die Tiere versuchen jegliche Gummidichtungen am Auto (warum auch immer) mit ihrem durchaus kräftigen Schnabel zu entreißen. Ich kann mir die Erklärungen bei den Vermietstationen immer sehr gut vorstellen, wenn ein total zerfledertes Auto abgeben wird. Wie bei den Sandflys hilft auch bei den Keas nur in Bewegung zu bleiben. Ab ca. 20 km/h lässt dann nämlich auch der letzte Vogel von den Gummidichtungen am Auto ab.

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Eigentliches Ziel der Befahrung der Milford Road ist ja nicht die Straße an sich, sondern der Milford Sound, der sagenumwobene Fjord, das am Ende der Straße lockt.

Erreicht man den Milford Sound, findet man sich ein einer wirklichkeitsfremden Welt wieder. Es ist schon merkwürdig in einen Ort einzufahren, der mehrheitlich aus Parkplätzen, sowie einem großen Gebäude, von dem alle Schiffstourenanbieter ablegen, besteht. Vielmehr gibt es dann nämlich nicht in dem Ort, in dem auch nur eine Handvoll von Menschen lebt.

Im dem besagtem Schiffstourenanbietergebäude finden sich wenig überraschend ungefähr vier Schiffstourenanbieter, welche im Allgemeinen alle dieselbe Tour zum ungefähr selben Preis anbieten. Um die Wahl nicht unnötig zu verkomplizieren, steuerten wir den Anbieter an, für den wir seit Anbeginn unserer Neuseelandreise bereits einen Rabattgutschein mit herumschleppen.

Punkt 12.30 Uhr ging es dann mit weiteren vierzig Leuten an Board raus in den Fjord vorbei an Bergen, schönen Wasserfällen sowie einer kleinen Pinguin- und Robbenkolonie. Mit Erreichen des offenen Meeres war die Halbzeit der Tour erreicht, sodass das Schiff wendete und exakt in die Richtung zurücksteuerte, aus der wir gekommen waren.

Wenngleich der Milford Sound zum UNESCO Weltnaturerbe gehört und ein wirklich nett anzublickender Fjord ist, hielt sich unsere Begeisterung, insbesondere vor dem Hintergrund welch ein Wirbel um diesen Ort gemacht wird, weitestgehend in Grenzen. Vielleicht lag es an den viel stärkeren Impressionen der vergangen Tage, dass Begeisterung nicht so recht aufkommen wollte, oder aber am schlechten Wetter. Vielleicht aber auch an der, für uns viel schöneren Milford Road, die im Vergleich zum Fjord weniger Beachtung geschenkt bekommt. Eine Reise nur des Fjordes Willen ist die Sache aus unserer Sicht aber nicht zwangsläufig wert.

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