Squamish & Campbell River

„Welche Klamotten braucht man eigentlich in Kanada so?“ – „Na tendenziell eher kühler…“ höre ich Romy noch sagen und schaue nun auf meine Sachen, die neben mehreren Pullovern, Thermounterwäsche und dicken Socken eine einzige kurze Hose beinhalten. Gut das wir seit Wochen konstant über 25 Grad haben und heute der heißeste Tag bisher, mit Temperaturen jenseits der dreißig Grad, angekündigt wurde.

Squamish

Für uns Grund genug es am ersten Tag unserer nächsten Station in Squamish ruhig angehen zu lassen. Insbesondere da die nahegelegenen Seen laut Aussage der Campingplatzbetreiberin wohl heillos überfüllt sein werden. Statt uns wie Sardinen neben alle anderen zu legen, erledigen wir ein paar Einkäufe sowie organisatorische Sachen und bauen Mira ihren kleinen Pool auf in dem sie vergnügt planscht.

Eine Attraktion von Squamish ist wie schon in Whistler eine Seilbahn, die uns auf die umliegenden Berge des Howe Sounds bringen könnte. Von hier aus starten wieder einige Trails unterschiedlichen Schwierigkeitsgrades.

Da wir jedoch nun schon einige Gondeln von innen und Berge hoch oben erleben durften, entscheiden wir uns für eine Alternative in Form des Britannia Mine Museum, einer National Historic Site unweit von Squamish.

Wenngleich der Besuch eines Bergwerkmuseums auf den ersten Blick nur wenig spannend erscheint, muss man es den Betreibern des Museums lassen, dass sie es absolut verstehen, ein doch für die meisten Menschen entferntes Thema so anschaulich darzustellen. Neben den üblichen Ausstellungen, die in der Regel vornehmlich Sachen zum Anfassen und Erleben beinhalten, gibt es eine Tour durch die Mine mit einer extrem engagierten Führerin inklusive Vorführung der in der Vergangenheit verwendeten Maschinerie sowie einiger Seltsamkeiten, wie dem Klowagen, den insbesondere Neuankömmlinge nach Ankunft erst einmal durch die kilometerlangen Schächte schieben durften.

Wieder im Tageslicht angekommen, gibt es noch einen kurzen Ausflug in das eigentliche Highlight des Museums, welches dem Museum den Status einer National Historic Site verleiht. Die Mühle der Mine gehört zu einer ingenieurstechnischen Meisterleistung, ein riesiges Gebäude welches hauptsächlich mithilfe der Gravitation die Verarbeitung des zuvor gewonnen Kupfergesteins bewältigt. Klingt beeindruckend, ist aber optisch noch viel beeindruckender, zumindest von innen. So zeigt sich uns ein riesiges Ungetüm aus Stahl und Holz, welches auch schon für diverse Filmesets wie Akte X, Scooby Doo oder Harry Potter als Kulisse dienen durfte.

Nach der unterhaltsamen Einführung in das Bergwerkleben Anfang des 20. Jahrhunderts ging es für uns weiter zum Goldschürfen. Nach Aushändigung des Waschtellers sowie einer kurzen Einweisung ging es für uns ran an die Goldsuche. Es dauerte einige Anläufe sowie einige Kubikmeter Sand, bis wir Erfolg vermelden konnten. Es reicht zwar nicht für die frühzeitige Pensionierung, aber vielleicht kann sich das Baby irgendwann mal ein Eis davon kaufen.

Campbell River

An unserem letzten Tag in Squamish hieß es früh aufstehen und das Baby am besten schlafend in das Auto betten. Leider waren alle späten Fähren nach Vancouver Island schon ausgebucht, sodass wir die Fähre um 08:30 Uhr nehmen mussten. Durch Anreise sowie notwendiger vorheriger Ankunftszeit ging es mit dem Camper das erste Mal relativ früh für uns auf die Straße.

Ziel nach der eineinhalb stündigen Fährüberfahrt soll Campbell River sein, ein recht beschaulicher Ort im Norden Vancouver Islands, den wir, nachdem wir wieder festen Boden unter den Füßen haben, nach weiteren 200 Kilometern erreichen.

Der Ort ist perfekt um den Feierlichkeiten des Canada Days beizuwohnen, der jährlich am ersten Juli die Staatsgründung bzw. -einigung im Jahre 1867 zelebriert. Campbell River mit seinen rund 35000 Einwohnern ist eine nette Kleinstadt mit aktiver Community von jung bis alt und somit vielversprechend für das Highlight des Canada Days, der Parade, die in so ziemlich jeden Ort gefeiert wird.

Bevor es aber los geht, besuchen wir die örtlichen Festlichkeiten, genehmigen uns Hot Dogs des lokalen Rotary Clubs, verzieren den Buggy des Babys mit Luftballons des örtlichen Versicherers und statten uns mit allerlei Kanada Symbolen aus die als Pins, Klebetattoos und Fähnchen aus, die schließlich uns, das Baby sowie den Buggy schmücken. Wir hören den lokalen, gar nicht mal schlechten, Bands zu und bummeln zur Marina.

Um 16 Uhr ist es soweit. Wir suchen uns einen Platz an der Paradestrecke und lassen das bunte Treiben an uns vorbei ziehen. Es ist beeindruckend was eine kleine Stadt wie Campbell River für eine solche Feierlichkeit auf die Straße bekommt. Gefühlt ist jedes Geschäft, Verein und wer etwas auf sich hält in der Parade vertreten und wer nicht direkt dabei sein kann jubelt seinen Freunden, Verwandten und Bekannten von der Seitenlinie zu.

Nachdem der letzte Wagen die Menge passiert hat, pilgern die Menschenmassen hinüber in den nächstgelegenen Park, wobei wir uns dem Herdentrieb einfach anschließen. Hier machen wir es uns auf der Wiese gemütlich, hören den Lobpreisungen auf Kanada zu, genießen ein paar gesponserte Cupcakes und lauschen noch der ersten Band die die Abendunterhaltung einleitet, bevor wir uns wieder zurück mit unseren Camper in Richtung Stellplatz machen.

Das größte Feuerwerk auf Victoria Island verpassen wir leider, da wir zu weit von der Stadt untergekommen sind. Es ist jedoch, so wurde uns versichert, das größte und beeindruckteste der Insel. Damit es auch dabei bleibt, bestellt der Bürgermeister einfach immer bei derselben Firma wie der Hauptstadtkonkurrent Victoria, jedoch einfach ein wenig mehr. Naja vielleicht beim nächsten Mal…

Nach unserem urbanen Erlebnis wird es wieder Zeit für ein wenig Natur und wir machen uns auf in den Strathcona Provincial Park. Der Park ist rund 2500 km² groß und weitestgehend unberührt, da schwer zugänglich. Lediglich zwei Zugänge führen in den Park, wobei wir uns für das Forbidden Plateau entscheiden. Von hier startet ein Trail Netz, welches recht weit in den Park führt. Wir bleiben bei unseren, mit dem Baby mittlerweile gut eingespielten, rund 8 km, wobei wir einen Zwischenstopp am Helen Mackenzie Lake einlegen. Wiedermal Kanada wie aus dem Bilderbuch. Glasklarer See eingebettet in wunderschöne Natur. Kein Wunder das wir es uns nicht verkneifen können ins Wasser zu steigen und unsere Pause ein wenig ausdehnen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.