Wanaka

Nach so viel Entspannung in den letzten Tagen auf dem Routeburn Track sowie im Milford Sound, wurde es Zeit für ein wenig Outdoorspassaktivitäten, für die die Fjordlandgegend sowie die südlichen Alpen ja eigentlich berühmt sind. Als Zentrum für derlei Aktivitäten gilt eigentlich Queenstown mit hunderten von Angeboten und Anbietern. Da wir die Stadt jedoch schon bei der Ankunft in Neuseeland, für unsere Maßstäbe, ausgiebig erkundet hatten, ging es in die kleine Schwesternstadt Queenstowns, nach Wanaka.

Wer von Te Anau nach Wanaka fährt, hat im Grunde zwei Möglichkeiten die Strecke zu überwinden. Entweder man entscheidet sich für die wahrscheinlich schnellere, wenngleich auch langweiligere, Variante über den State Highway 6  oder man fährt via Cardrona über die höchstgelegene, asphaltierte Straße Neuseelands. Während die Straße im Winter aufgrund der Höhenlage oftmals gesperrt ist, offenbart sie in den milderen Monaten beeindruckende Blicke auf Queenstown, die Umgebung sowie das stetige Alpenpanorama. (Da wir die Strecke bereits vorher schon einmal gefahren sind, verzichteten wir zum Großteil auf erneute Bilder. Die „ursprünglichen“ findet man aber immer noch hier)

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Wanaka selbst ist um einiges kleiner als die große Schwester Queenstown und somit grundsätzlich weniger von Touristen bevölkert, wenngleich der Ort in den Sommermonaten, auch verursacht durch reiselustige Kiwis (Einheimische), aus allen Nähten zu platzen droht. Im November hingegen geht alles noch recht beschaulich zu und man hat bei der Auswahl der Outdooraktivitäten auch noch kurzfristig alle Optionen offen, die denen in Queenstwon in nichts nachstehen. Eher im Gegenteil tummeln sich in Wanaka und Umgebung einige namenhafte Gestalten der Outdoorszene, welche die Gegend zu ihrer Heimat auserkoren haben.

Während Romy sich über ihren ersten freien Tag, auch von mir, freute, ging es für mich raus zum Klettern. Nach meinen erfolglosen Versuchen der Organisation eines Kletterpartners in Australien, ging in Neuseeland alles völlig unproblematisch vonstatten. Einige E-Mails ein paar Tage vorab und die Sache war abgemacht.

Mein Kletterpartner hieß David, kam ursprünglich aus den USA, und konnte mit einigem an Erfahrung protzen. So genoss er nicht nur eine akademische Ausbildung im Klettern (gibt es so etwas bei uns überhaupt?) sowie Pädagogik, sondern hatte auch schon einige Big Walls in den USA hinter sich gebracht. Persönliches durchschnittliches Kletterniveau: 8 auf der UIAA Skala, 24 auf der hier gebräuchlichen australischen Skala, in jedem Fall weit über dem, was ich zu leisten im Stande bin.

Die Umgebung in Wanaka ist ein Paradies für Sportkletterer. Über 800 Routen finden sich in der unmittelbaren Nähe, von einfachen Einsteigerrouten bis hin zu anspruchsvollen Mehrseiltouren, alle umgeben von den wunderschönen Südalpen mit entsprechendem Panorama.

Einige Kilometer nordwestlich, in Richtung Mount-Aspiring-Nationalpark, ging es für uns an mehrere Schiefersteine, mit unterschiedlichsten Schwierigkeitsgraden. Bevor es jedoch an den Fels gehen sollte, gab es vorab noch eine kurze Vokabelkunde sowie einen Sicherheitscheck, bei dem ich als Anseilknoten voller Stolz meinen erst in diesem Jahr erlernten doppelten Bulin präsentierte. Während bei dem Namen noch phonetische Einigkeit herrschte (doppelter Bulin / double bowline) ging unsere Meinung beim Knoten dann weit auseinander. Während dem Herren aus den USA die bei uns geläufige Version völlig unbekannt war, standen mir bei der seinen Variante die Fragezeichen auf der Stirn. Aus Sicherheitsgründen ging es somit wieder, zumindest für mich, zurück zum Achterknoten. Was soll’s…

Los ging es mit einer angenehmen 5+ / 15 Vorstiegsroute, die wir dann bis zu einer 7- / 19 steigerten, die für mich dann aber nur noch mit Beschiss und Nachsteigen schaffbar war.

In unseren Routen unterbrochen wurden wir einmalig von Lydia, welche sich Schuhe von uns ausleihen wollte. Während ich der Sache nicht allzu viel Beachtung schenkte, wurde ich nach unserem kurzen Intermezzo befragt, ob ich denn wüsste wer dieses Mädel sei. Mit meiner Unwissenheit prahlend, wurde mir kurz darauf erklärt, dass es sich um Lydia Bradey, nur eine der Koryphäen die es in diese Gegend verschlagen hat,  handelt. Die erste Frau, die den Mount Everest ohne zusätzlichen Sauerstoff bestieg und zudem der einzige Neuseeländer, der es jemals so hoch hinaus schaffte. Schau einer an…

Neben dem besagten Treffen war mein persönlicher Höhepunkt des Tages jedoch eher eine als Little Big Wall bezeichnete Route mit einem machbaren 6 / 16 Schwierigkeitsgrad. Die Route war, wie von mir gewünscht und erhofft, eine Mehrseilroute mit insgesamt drei Standplätzen sowie diagonalem Verlauf, so dass das Abseilen über einen anderen Standplatz als der Aufstieg erfolgte. Bei wunderschönem Wetter und herrlichem Panorama ein würdiger Abschluss für die erste Kletterpartie nach fast drei monatiger Abstinenz.

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Mit kleinem Ziepen in den Muskeln ging es am nächsten Tag, diesmal zu zweit, zu unserem ersten Canyoning, einer Sportart von deren Existenz wir vor unserer Ankunft in Neuseeland nicht mal ansatzweise etwas wussten, wenngleich der Spaß grundsätzlich recht schnell erklärt ist.

Man zwänge sich in einen ausreichend dicken Neoprenanzug, rüste sich mit leicht modifizierten Kletterequipment aus, setzte sich einen Helm auf und stürze sich anschließend in einen eiskalten Fluss, um diesen auf eigenwillige Weise abwärts zu „erklimmen“. Klingt komisch, ist aber in der Tat so und auch keine eigensinnige Freizeitbeschäftigung der Neuseeländer, wie von uns anfänglich angenommen, sondern ein richtiger Sport.

Unsere Einführung ins Canyoning verdankten wir Anna, einer erfahrenen Guide(in), welche zwar aus Neuseeland stammte, jedoch auf der Südinsel bisher genauso viel Zeit verbracht hatte, wie wir. Mit ihr und jeder Menge guter Ratschläge ging es nach halbstündigem Aufstieg in den Niger Stream, den es dann über Wasserfälle und Schluchten, schwimmend, rutschend, abseilend oder springend wieder nach unten ging. Was sich ganz leicht anhört, verlangt an mancher Stelle ein wenig Überwindung, insbesondere wenn es darum geht einen 15 Meter hohen Wasserfall in einer Art Kerzenstellung nach unten zu fallen, oder wenn es gilt im Wasserfall ohne Halt auf glitschigen Steinen mit nassen Handschuhen abseilend den Boden zu erreichen.

Unterm Strich jedoch ein großer Spaß, auch wenn wir nach 2,5 Stunden im eiskalten Wasser mit der Sache dann gut durch waren. Zum Aufwärmen gab es aber zum Abschluss noch ein entspanntes Picknick auf der Wiese mit reichlich Sonne, sodass wir ganz gut versöhnt mit der Welt und uns wieder heimkehren konnten.

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Bevor wir Wanaka endgültig den Rücken kehren sollten, ging es mit voll bepacktem Auto für einen Zwischenstopp noch zu einer Art Abenteuerspielplatz mit überschaubarer Größe. Die Puzzle World in Wanaka besteht im Grund aus zwei Attraktionen: einem kleinem aber durchaus zeitfüllenden Labyrinth sowie einem Bereich bestehend aus allerlei optischen Illusionen.

Das Labyrinth ist so angelegt, dass es nicht zu einfach ist, aber einen auch nicht frustriert in den Wahnsinn treibt. Nach ungefähr einer Stunde hatten auch wir die Aufgabe alle Türme zu finden absolviert und konnten zufrieden in den nächsten Bereich weiterziehen.

Zu finden gab es hier allerlei Dinge, wie eine stattliche Hologrammbildersammlung oder einen Raum, gefüllt mit unzähligen Gesichtern, bei dem paranoide Leute Vorsicht walten lassen sollten, wollen die Herrschaften mit ihrem Blicken doch einfach nicht von einem ablassen.

Ein anderes Highlight sind weitere Räumen bei denen auf den ersten Blick alles normal erscheint, in Wirklichkeit aber irgendwas an der realen Größe oder den Ebenen geschraubt wurde, sodass einem bei längerem Aufenthalt schon einmal schlecht werden kann.

Für unseren Abschluss in Wanaka ein perfektes Intermezzo bevor wir uns schließlich weiter gen Nordosten machen sollten.

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4 Kommentare zu “Wanaka

  1. tommy

    yay – da sind se – ditt lange ersehnten fotos der klettertour. ganz großartig und beeindruckend. bin begeistert! 🙂

    …canyoning macht aber auch einen interessanten eindruck – wusste auch nur was es ist, da ich neulich im online-shop über das dazugehörige equipment gestolpert bin und dazu umgehend recherche betreiben musste.

    alles liebe aus der so langsam weihnachtliche züge annehmenden heimat und weiterhin alles gute für euch 2!

    ps: statusreport ist nicht vergessen – kommt definitiv noch! 😉

  2. doreen & lilly

    …hello aus der grünalternativen muschel-hochburg upper moutere! habt ihr am samstag abend auf der nordinsel etwas vom erdbeben mitbekommen? zentrum war in wellington. kurz vor beginn meines ersten workshops hat’s hier richtig gerüttelt. scary…

    ps: übermorgen ist lunchbox-day 🙂

    1. quatze Autor des Beitrags

      hello aus der Maori Hochburg Rotorua ; )

      Bei uns hat (leider) nix gewackelt. Eigentlich wurde uns ja versprochen, dass wir während unseres siebenwöchigen Aufenthaltes ein Erdbeben miterleben würden, aber bis jetzt nüschte… Wobei wir uns gut vorstellen können, dass das beim ersten mal ziemlich gruselig ist =)

      Wir hoffen dein Workshop ist erfolgreich verlaufen!? Wir für unseren Teil können mitteilen, dass wir unsere Ernährung komplett, nach den in den frühen Morgenstunden eingetrichterten Mahlzeiten, umgestellt haben. Bei uns gab es somit heute Pumpkin Soup und wir freuen uns schon sehr auf unser morgiges Brotbackerlebnis 😉

      Ganz liebe Grüße zu euch in den Süden! =)

  3. Niggi & Dennis

    Nur damit Ihr wisst, wie gut Ihr es habt: Es regnet, windet und ist schweine kalt in Berlin. So macht der Weihnachtsmarkt auch überhaupt keine Spass.
    Aber wir werden natürlich eine Feuerzangenbowle auf und für Euch trinken!

    Liebe Grüße von der anderen Seite der Erde!

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